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Sonderveröffentlichung

Im Transportermarkt führt kein Weg am Diesel vorbei

Neue Mobilitätskonzepte, Alternativen zum Verbrenner und autonomes Fahren verändern den Flottenmarkt – aber erst langfristig

Der digitale Wandel erfasst auch das Handwerk: Die Betriebe müssen Geschäftsprozesse und Abläufe anpassen – inklusive Flottenmanagement. Foto: © deepblue4you / iStockphoto.com
Der digitale Wandel erfasst auch das Handwerk: Die Betriebe müssen Geschäftsprozesse und Abläufe anpassen – inklusive Flottenmanagement. Foto: © deepblue4you / iStockphoto.com

Wer Transporter sagt, meint meist Diesel. Daran führt auch 2019 kein Weg dran vorbei. Allerdings hat die Diesel-Fahrverbots- Diskussion zu einem neuen Bewusstsein im Umgang mit Mobilität geführt und interessante Konzepte auf den Tisch gebracht.

Was bewegt uns 2019? Keine einfache Frage. Die anhaltende Debatte um die Diesel-Fahrverbote zerlegt die deutsche Autoindustrie und erntet im Ausland nur Kopfschütteln. Zudem stellt sie eine Antriebstechnologie in Frage, die sauber ist. Diesel-Gegner hoffen auf einen Schub der Elektromobilität, zweifeln aber wegen einer schwächelnden Ladeinfrastruktur an deren Erfolg.

Doch die Diskussion sorgt dafür, dass neue Mobilitätskonzepte auf den Plan treten, die auch für das Handwerk interessant sein könnten. Eines der kommenden Themen werden die so genannten Lastenfahrräder oder neudeutsch Cargobikes sein. Dabei geht es in erster Linie die um emissionsarme Zustellung von Paketen oder Waren. Schließlich, so rechnet der Verkehrsclub Deutschland (VDC) vor, spart der Fahrer im Vergleich zu einem Auto mit einem Lastenfahrrad bei einer täglichen Leistung von 20 Kilometern der Nutzer rund 800 Kilogramm CO2 ein.

Lastenbike als Gamechanger

Einen „Gamechanger“ nennen es daher die Hersteller und das sind nicht nur viele kleinere und größere Start-ups, sondern auch die renommierten Autobauer oder Zulieferer. Sie haben – mit entsprechenden Aufbauten – das Handwerk im Visier. Mit Aufbauten können die kleinen und mittleren Betriebe als Servicedienstleister das notwendige Werkzeug und Ersatzteile auf Lastenbikes transportieren, die bis 300 Kilogramm an Nutzlast verpacken.

Der Staat unterstützt die Investition in ein elektrisch angetriebenes Schwerlastenbike. Können diese mindestens einen Kubikmeter Ladevolumen und mindestens 150 Kilogramm Nutzlast transportieren, gibt es bis zu 2.500 Euro dazu. Diese elektrisch angetriebenen Schwerlastenfahrräder sowie Schwerlastenanhänger mit elektrischer Antriebsunterstützung dürfen aber maximal 0,25 kW als Nenndauerleistung der elektronischen Antriebsunterstützung aufweisen und sie muss fortschreitend verringert und spätestens beim Erreichen von 25 km/h sowie beim Einsetzen des Tretens in die Pedale unterbrochen werden.

Nicht nur ein Lastenbike lässt Handwerker über Alternativen zum klassischen Autokauf oder Leasing nachdenken. Denn die Autoindustrie selbst bietet mit Carsharing oder Mietwagen eine Variante. Der Charme dieser Lösung in Spitzenzeiten: Der Betrieb zahlt nur die tatsächlich genutzte Mobilität, weil er bedarfsgerecht das passende Fahrzeug erhält. Dabei geht es nicht nur um Pkw, sondern auch um Nutzfahrzeuge, die es je nach Anbieter sogar mit gewerkspezifischen Auf- und Umbauten gibt.

Die Fuhrparkverwaltung ist daher schon bei kleineren Flotten eine komplexe Aufgabe. Mittlerweile gilt es, die unterschiedlichsten Fahrzeugtypen und -arten in einer Flotte zu integrieren. Klassische Pkw- Dienstwagen für den Chef oder Betriebsleiter stehen neben kleinen und größeren Service-Nutzfahrzeugen für den schnellen Einsatz im Notfall. Die Teams rücken in ihren Kastenwagen mit entsprechenden Auf- und Umbauten zu den Baustellen und Kundenterminen raus. Und in Zeiten drohender Fahrverbote muss der Chef über Lastenbikes oder Fahrzeuge mit alternativen Antrieben vom E-Motor über Hybrid bis hin zum Erdgasfahrzeug in seinen Fuhrpark unter einen Hut bringen.

Visionen autonomen Fahrens

Das heißt automatisch einen erhöhten Verwaltungsaufwand. Fahrzeuge müssen disponiert, gewartet und gepflegt sowie die laufenden Kosten in die Buchhaltung integriert werden. Arbeiten, die einem Full-Service-Anbieter abnehmen. So kann der Betriebsinhaber seinen komplette Fuhrparkverwaltung an einen Dienstleister auslagern oder aber sich Bestandteile möglichst einfach gestalten lassen. Tankkarten nehmen einem die lästige Buchführung über die laufenden Kosten von Sprit, Reinigung und anderen kleineren Aufwendungen für das Fahrzeug ab. Die Führung eines Fahrtenbuches bis hin zur Integration der Daten über Fahrtwege, An- und Abfahrtszeiten und damit der Arbeitszeiten, aber sogar selbst Lieferungen können die smarten Endgeräte von einem kleinen Stecker bis hin zum Terminal den Nutzern abnehmen.

Noch mehr Möglichkeiten stecken mittel- und langfristig im autonomen Fahren. Fahrerlose Lieferwagen können beispielsweise über Nacht benötigtes Material auf die Baustelle liefern, so dass am nächsten Tag das Team direkt mit den Arbeiten anfangen kann. Noch sind solche Systeme Utopie, aber die Planungen sind weit fortgeschritten. Die amerikanische Supermarktkette Kroger plant zusammen mit dem Start-up Nuro autonom fahrende Lieferwagen, die ihre Lebensmittel ausliefern sollen. Ford will mit der Pizza- und Pasta- Kette Domino’s sowie dem Paketdienst Postmates gemeinsame Sache machen, um ebenfalls Lieferungen in autonom fahrenden Autos an den Kunden zu bringen.

Bis sich Handwerker Material an die Baustelle liefern lassen können, wird es noch etwas dauern. Für das laufende Jahr erwarten Branchenexperten ein ähnlich hohes Niveau wie 2018. Da wurden rund 3,4 Millionen Pkw verkauft – und laut Kraftfahrtbundesamt in Flensburg über 60 Prozent mit einer gewerblichen Zulassung. Der Rückgang der Dieselfahrzeug wird wieder abflachen, ist der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) überzeugt. Die Gründe: Bereits im Oktober 2018 waren 86 Prozent aller Dieselmodelle schon nach WLTP, dem neuen Messstandard, zertifiziert – und 60 Prozent erfüllten schon die Euro6d-Temp-Norm.

Die Zertifizierung nach WLTP steht übrigens im September diesen Jahres den leichten Nutzfahrzeugen ins Haus. „Man darf daher gespannt sein, da in diesem Jahr die Wirtschaft mit einer abflauenden Auftragslage rechnet und im Herbst 2019 für die leichten Nutzfahrzeuge die WLTP-Umstellung für alle neuen Autos ansteht, die im Pkw-Markt vor einem Jahr deutliche Verwerfungen mit sich brachte“, sagt Nils Wehner, Analyst bei Dataforce.

Aufhorchen ließ der fulminante Start der Transportersparte im Januar 2019. „Alle Segmente legten gegenüber Januar 2018 prozentual im zweistelligen Bereich zu“, so Wehner. Während die Neuzulassungen im Relevanten Flottenmarkt 2018 im Vergleich dem Vorjahr insgesamt ein Plus von 2,8 Prozent erreichten, schossen sie im Januar 2019 gegenüber dem Vorjahr um 19,2 Prozent in die Höhe. Rund eine halbe Million Transporter wurden 2018 neu zugelassen. Dabei führt kein Weg am Diesel vorbei, die Fahrzeuge haben einen Anteil von annähernd 90 Prozent.

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